Die
ist umfassend mit dem Begriff „Lipohyperplasia dolorosa“ (LiDo) charakterisiert und kann gegen ihre Differenzialdiagnosen abgegrenzt werden (Cornely M, 2005, Terminologie des Lipödems. Phlebologie 6/2005:326).
Diese in „Angewandte Lymphologie“ (Springer-Verlag, 2023) abgedruckte Definition sagt nicht nur fast alles aus, sie trägt auch der Tatsache Rechnung, dass das Lipödem per se kein Ödem im Sinne der Definition „sicht- und tastbare Schwellung durch vermehrte interstitielle Flüssigkeit infolge gestörten Flüssigkeitsgleichgewichts“ (Földi) ist. Obwohl der Name „Lipödem“ eine Fehlbezeichnung ist, werden wir die Bezeichnung auch weiterhin verwenden, da er umgangs- und fachsprachlich international fest etabliert ist.
Das Lipödem ist eine eigenständige Erkrankung, die von Adipositas zu unterscheiden ist.
Aufgrund der klinischen Überschneidungen kann es jedoch fälschlicherweise als primäre Adipositas diagnostiziert werden. Die zwangsläufigen Schmerzen im Gewebe, die spätestens bei leichter Berührung auftreten, die leicht verursachten Blutergüsse und vor allem die auf die Extremitäten beschränkte Lokalisation mit einer klaren klinischen Abgrenzung an Knöcheln und Handgelenken („Muffbildung“) unterscheiden das Lipödem jedoch deutlich von Adipositas, die bei Lipödem allerdings sehr häufig begleitend auftritt.
Pathophysiologie und klinische Präsentation
Die genaue Ätiologie ist unklar, vermutlich spielen hormonelle Dysregulation und Mikroangiopathie eine Rolle. Klinisch klagen Patientinnen über Druckschmerz und Berührungsschmerz der Fettlagerungen sowie ein ausgeprägtes Spannungs- und Schweregefühl. Sichtbar sind oft große Fettpolster an Außenschenkel („Reithosenphänomen“), innen mehr oder weniger schmale Einziehungen. Ein häufiges Begleitsymptom ist Neigung zu Hämatomen unter geringer Einwirkung. Die Haut ist meist weich (im Gegensatz zum Lymphödem), und das Stemmer’sche Zeichen* ist negativ.
*Das Stemmer'sche Zeichen ist
Die Schmerzhaftigkeit ist laut aktueller deutscher Lipödem-Leitlinie das Leitsymptom des Lipödems und kann sowohl superfiziell als auch subkutan auftreten. Der Schmerz beim Lipödem kann am gesamten Umfang der Beine oder der Arme auftreten. Die Pathogenese des Schmerzes ist bislang nicht geklärt. Der Verlauf der Erkrankung ist sehr individuell; manche Patientinnen entwickeln ein Lipödem in geringerem Maße, welches sich stabilisiert und keine Progredienz der Schmerzhaftigkeit zeigt. Bei anderen Patientinnen zeigt sich eine graduelle Progression des Lipödems oder eine Verschlimmerung nach einer stressvollen Situation. Im Allgemeinen wird berichtet, dass die Entstehung des Lipödems während der Pubertät, Schwangerschaft oder Menopause einsetzt. Auch über den Einfluss hormoneller Kontrazeption wird berichtet.
Es werden drei Stadien des Lipödems beschrieben:
Stadium I: Die Haut ist glatt, die Subkutis deutlich verdickt.
Stadium II: Knoten im Fettgewebe auf, die darüber liegende Haut zeigt sich überwiegend wellenartig und uneben.
Stadium III: Das Gewebe deutlich derber und großknotiger und weist deformierende Fettlappen auf.
Laut S2k-Leitlinie soll diese Stadieneinteilung nicht als Maß für die Schwere der Krankheit verwendet werden. Eine Stadieneinteilung für die Beschwerden existiert bisher nicht. Es gibt keine Korrelation zwischen der Schwere der Symptomatik und Stadieneinteilung.
(nach Cornely in „Angewandte Lymphologie“ (Springer-Verlag, 2023)
Diagnose durch
Schritt 1 - Inspektion aus der Distanz
2. Schritt - Inspektion in der Nähe
3. Schritt – Palpation statt Kneifen
Die Beine sollten an fünf Stellen abgetastet werden, um Gewebeschmerzen festzustellen:
Der oft beschriebene Kneiftest („Kneiftest nach Nürnberger“) ist viel zu grob, um bei der Palpation des Lipödems angewandt zu werden.
Lipödem-Untersuchungsgriff
Der Lipödem-Untersuchungsgriff ist eine sanfte, horizontale Palpation der Oberfläche, um die Schmerzempfindlichkeit (Druckdolenz) zu ermitteln.
Bei den ersten beiden Tastuntersuchungen kann der Untersucher vor der Patienten knien, um einen guten Blick auf den Fettmantel der beiden Beine zu haben.
1. Die Unterschenkel
Unterhalb der linken Kniescheibe wird mit flacher Hand ein sanfter Druck ausgeübt. Dabei darf die Hand keine kneifende Greifbewegung machen. Und die Fingerkuppen dürfen keinen Druck in die Tiefe des Fettgewebes ausüben.
2. Die Oberschenkel
3. Die Arme
4. Der Bauch
5. Der Bauch im Kontrast zu Armen und Beinen. Palpation mit beiden Händen.
Der Vergleich zwischen der Palpation des abdominalen Unterhautfettgewebes mit den der Extremitäten ist beim Lipödem immer eindeutig: Keine Druckdolenz am Bauch, wohl aber an den Extremitäten!
Zusammenfassung: Mit einer ersten Inspektion aus der Distanz, einer zweiten in der Nähe und der Palpation des Fettgewebes mit fünf Griffen an den Regionen
kann die klinisch evidente Erkrankung auch bezüglich der Schmerzhaftigkeit untersucht und die Diagnose Lipödem gestellt werden.
Konservative Therapie
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Patientenedukation
Essenzielle Aufklärungspunkte sind die Chronizität der Erkrankung, die Bedeutung eines gesunden Gewichts und regelmäßiger Bewegung. Patientinnen sollten wissen, dass Kompressionsstrümpfe und Manuelle Lymphdrainage Schmerzen lindern, aber das Fettdepot nicht abbauen. Psychoedukation zum Umgang mit Körperbild und Lebensstil (Ernährungsumstellung, moderates Ausdauertraining) ist wichtig. Ebenso sollten Informationen über Selbsthilfemaßnahmen (Massage, Kälte- / Hitzeapplikationen, Hautpflege) Teil der Therapie.
Prognose und Komplikationen
Das Lipödem ist nicht heilbar, es kann sich im Verlauf weiter ausprägen oder stabilisieren. Ohne ausreichende Maßnahmen verschlechtert sich die Lebensqualität durch chronische Schmerzen und zunehmende Einschränkung der Mobilität. Auffällig ist eine hohe Komorbidität mit psychischen Belastungen (z.B. Depressionen) und sekundären Schmerzerkrankungen. Anders als beim Lymphödem kommt es nicht primär zu Fibrosierungen oder Infektionen. Untypisch, aber möglich ist ein sekundäres Lymphödem bei langjährigem, sehr massivem Lipödem.