Sie sind Orthopädietechniker oder Verkäuferin in einem präqualifizierten Sanitätshaus. Sie haben eine solide lymphologische Ausbildung (BUFA, Hersteller) und lange Erfahrung in der Flachstrickversorgung. Sie verfügen also über eine Expertise, die Sie – sofern Sie dass nicht bereits tun – proaktiv zur Optimierung des Versorgungsablaufs und zum Nutzen Ihres Unternehmens einsetzen können. Zwei Beispiele dafür:
Szenario 1: Eine Lipödempatientin kommt mit einem Rezept für eine Kompressionsversorgung zu Ihnen. Sie gehen mit der Dame in den Beratungs- und Messraum. Dort stellen Sie fest, dass die Beine der Patientin stark konisch sind und auch Kalibersprünge aufweisen. Ihr erster Blick auf das Rezept verrät Ihnen, dass das, was der Arzt da verordnet hat, überhaupt nicht zur Versorgung der Patientin geeignet ist.
Szenario 2: Eine Patientin mit Beinlymphödem kommt mit einem Rezept für eine Kompressionsversorgung zu Ihnen. Sie gehen mit der Dame in den Beratungs- und Messraum. Beim Palpieren des ödematösen Gewebes stellen Sie fest, dass das Bein erst einmal gründlich entstaut werden muss, bevor es mit einem Kompressionsstrumpf versorgt werden kann. Doch aus persönlichen Gründen ist der Patientin ein wochenlanger Aufenthalt in einer Rehaklinik weit weg von zuhause nicht möglich. Und am Ort gibt es keine Physiopraxis, die fünfmal in der Woche MLD mit anschließender Bandagierung unterbringen kann.
Zum Szenario 1: Sie könnten natürlich einfach die ärztliche Verordnung so abarbeiten, wie sie ist. Doch damit würden Sie nicht glücklich und der Patientin wäre nicht geholfen.
Oder aber: Sie erheben sorgfältig Anamnese und Befunde, informieren sich über die individuellen Gegebenheiten und Bedarfe der Patientin und legen dann Ausführung, Kompressionsklasse, Zusatzausstattungen etc. einer optimal bedarfsgerechten Versorgung fest. Die Details dokumentieren Sie und geben der Patientin eine Kopie mit Ihrem Stempel darauf für ihren Arzt. Dieser wird die hohe Qualität der von Ihnen vorgeschlagenen Versorgung erkennen. Er kann dann alle Details schnell und mühelos in ein Rezept und in ein Beiblatt übernehmen.
Fazit: Die Patientin bekommt eine Versorgung, mit der ihr bestens geholfen ist, der Arzt schätzt Ihre Kompetenz und wird Sie anderen Patienten gegenüber empfehlen. Und auch die Patientin wird Sie weiterempfehlen.
Zum Szenario 2: Da hier erst einmal eine Entstauungsphase (KPE-Phase 1) notwendig ist, diese aber nicht stationär und in der geforderten Intensität auch nicht ambulant durchzuführen ist, kann ein Medizinisches Adaptives Kompressionssystem (MAK) in dieser Situation die bestmögliche Lösung sein. Erstellen Sie ein entsprechendes Dokument mit Ihrem Stempel darauf, das die Patientin ihrem Arzt geben soll.
Fazit: Die Patientin bekommt mit dem MAK eine Versorgung, die gleichzeitig eine Entstauungstherapie ist. Die Patientin gewinnt durch das MAK eine ganz neue Selbstwirksamkeit, was den Umgang mit ihrem Lymphödem angeht. Der Arzt schätzt Ihre Kompetenz und wird Sie anderen Patienten gegenüber empfehlen. Und auch die Patientin wird Sie weiterempfehlen.
Förderung der Adhärenz / Compliance: Bieten Sie Ihren Patientinnen und Patienten an, sich vierteljährlich die Patientenzeitschrift „Lymphe & Gesundheit“ bei Ihnen abzuholen. Wir haben in den mehr als 16 Jahren, in denen es die Zeitschrift gibt, immer wieder beobachten können, dass deren Leserinnen und Leser ihre Kompressionsversorgung wesentlich besser akzeptieren und regelmäßiger tragen als Patienten, die die Zeitschrift nicht kennen. Und mit dem regelmäßigen Abholen der Zeitschrift in Ihrem Geschäft dürften Ihre Kundinnen und Kunden ein besonders gutes Verhältnis zu Ihnen entwickeln.
In Deutschland praktizieren etwa 2.200 Ärzte mit der Weiterbildung / Zusatzbezeichnung Phlebologie, etwa 300 Fachärzte für Angiologie, rund 2.000 Gefäßchirurgen und gut 5.000 dermatologisch tätige Ärzte. Das sind zusammen etwa 9.500 Ärzte, von denen wohl ein Großteil die Verordnung von Flachstrickversorgungen beherrschen dürfte.
Dagegen praktizieren in Deutschland rund 66.000 Hausärzte. Sie sind die ersten Ansprechpartner für Menschen mit einem gesundheitlichen Problem. Doch nur eine verschwindend geringe Minderheit der Hausärzte ist in der Verordnung von Flachstrickkompression kompetent. Warum das so ist, erklärt der renommierte Lymphologe und Gefäßmediziner Prof. Dr. med. Gerd R. Lulay so:
„Wir Ärzte werden im Studium so gut wie gar nicht mit der Lymphologie konfrontiert. Universitär existiert die Lymphologie bisher nur episodisch, Curricula gibt es nicht, manches Fachgebiet erwähnt lymphologische Krankheitsbilder nur im Nebensatz, Grundlagenforschung existiert zumindest in Europa nur in einigen anatomischen Zentren (Universität Göttingen, Kassel), an einen Lehrstuhl ist überhaupt nicht zu denken. So gestaltet sich dann auch die Wissensvermittlung rudimentär, was teilweise zu grotesken Wissensdefiziten und sich daran anschließenden Fehlbehandlungen führt.“
Die Hausärzte sind also nicht schuld an der hochgradig mangelhaften Versorgung von Menschen, die an einem Lip- oder Lymphödem leiden. Die Ursache dafür liegt im System. Doch da wir daran in dieser Hinsicht wohl nichts ändern können, müssen wir neue Methoden suchen, um die lymphologische Versorgung flächendeckend und nachhaltig verbessern. Genau aus diesem Grund ist das Konzept entstanden, das auf dieser Webseite vorgestellt wird.
Nichts auf dieser Welt ist so perfekt, als dass es nicht verbessert werden könnte. Darum laden wir alle in der medizinischen Versorgung Tätigen und auch Patientinnen und Patienten ganz herzlich ein, Anregungen, Vorschläge zur Verbesserung dieses Konzepts oder auch Kritik daran zu senden an
verlag@lymphe-und-gesundheit.de